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Wie man mit einem Verlustvortrag als Student Steuern spart


Als Student eine Steuererklärung zu machen, erscheint auf den ersten Blick ziemlich unlogisch. Wieso sollte jemand, der sowieso kaum bis gar keine Steuern zahlt, denn eine Steuererklärung machen? Eigentlich ein logischer Schluss, der sich bei genauerem Hinsehen aber als Trugschluss erweist. Und das hängt vor allem mit einem Wort zusammen: Verlustvortrag. Was ein Verlustvortrag genau ist und was sich hinter diesem Zauberwort verbirgt, wollen wir euch im Folgenden ein bisschen genauer erklären.

Was bedeutet Verlustvortrag eigentlich?

Semestergebühren, Schreibmaterial, Bücher, Semesterticket. Ein Studium ist mit erheblichen Kosten verbunden. All diese Ausgaben müssen Studierende erstmal aus der eigenen Tasche bezahlen. Dass das nicht fair ist, sieht auch das Bundesfinanzministerium so und hat sich deshalb einen Kniff ausgedacht, von dem speziell Studierende profitieren können. Und der geht so: Das Finanzamt verrechnet jedes Jahr euer Einkommen mit euren Ausgaben. Auf den Betrag der übrig bleibt müsst ihr dann Steuern zahlen. Die meisten Studenten verdienen aber noch mehr als den Grundfreibetrag von 9408€ (2020) weshalb bei dieser Rechnung dann ein Verlust rauskommt. Damit Studierende ihre Ausgaben für die eigene Ausbildung später, wenn sie mal ein Einkommen haben, auch geltend machen können, merkt sich das Finanzamt diesen Negativbetrag als sogenannten Verlustvortrag.

Was für Vorteile bringt ein Verlustvortrag?

Den Verlustvortrag könnt ihr euch als euer persönliches Sparkonto für Schulden beim Finanzamt vorstellen. Moment mal, Schulden sind doch eigentlich schlecht, oder nicht? Wenn es um Steuern geht sind die manchmal ganz schön praktisch, denn ein Verlustvortrag reduziert euer zu versteuerndes Einkommen nach dem Berufseinstieg und das heißt: Ihr zahlt weniger Steuern. Während eures Studiums könnt ihr euch also entspannt zurücklehnen und zusehen, wie euer Steuersparschwein beim Finanzamt wächst, denn Verlustvorträge könnt ihr über mehrere Jahre hinweg ansparen. Dafür müsst ihr allerdings eine Steuererklärung machen und das Finanzamt daran erinnern, was ihr alles für Werbungskosten hattet. Wie das geht zeigen wir euch in einem ausführlichen Beispiel weiter unten.

Wer darf einen Verlustvortrag geltend machen?

Alle Studierenden, die sich in einer Zweitausbildung befinden, dürfen einen Verlustvortrag geltend machen. Denn hier gilt, dass alle berufsbedingten Ausbildungskosten in der Steuererklärung als Werbungskosten angesetzt werden können. Eine Ausnahme gilt hier für duale Studierende, die ebenfalls Werbungskosten und damit einen Verlustvortrag geltend machen können. Die steuerliche Unterscheidung zwischen Erst- und Zweitausbildung geht auf ein Urteil des Bundesverfassungsgerichts aus dem Jahr 2019 zurück. Studierende in der Erstausbildung können demnach ihre Ausbildungskosten nur als Sonderausgaben geltend machen. Im Gegensatz zu Werbungskosten besteht bei Sonderausgaben nicht die Möglichkeit sie als Verlustvortrag mit ins nächste Jahr zu nehmen. Sonderausgaben können demnach nur im eigentlichen Steuerjahr verrechnet werden. Hier erfahrt ihr, ob ihr euch in der Erstausbildung oder Zweitausbildung befindet.


Zweitausbildung:

Studierende im Master oder im Bachelor mit vorangegangener Ausbildung von mindestens 12 Monaten. Auch duale Studenten können berufsbedingte Kosten als Werbungskosten geltend machen.

Erstausbildung:

Studierende im Bachelor können ihre berufsbedingten Kosten bis zu 6000€ als Sonderausgaben geltend machen. Ein Verlustvortrag ist hier nicht möglich

Wann profitiert man von einem Verlustvortrag als Student?

Ein Verlustvortrag ist immer dann sinnvoll, wenn ihr weniger Einnahmen als Ausgaben hattet. Die meisten Studierenden können deshalb während ihres Studiums einen Verlustvortrag geltend machen. Das Finanzamt nimmt euch sogar noch Arbeit ab, denn solange kein Einnahmenüberschuss festgestellt wird (ihr also mehr Einnahmen als Ausgaben hattet), wird euer angesparter Verlustvortrag automatisch ins nächste Jahr übernommen. Wenn ihr euer Studium beendet habt und ins Berufsleben startet, werdet ihr vermutlich deutlich mehr verdienen als ihr in dem Jahr Werbungskosten hattet und müsst regulär Steuern zahlen. Sobald dieser Fall eintritt, wird euer vermerkter Verlustvortrag aus den Vorjahren mit eurem Einkommen verrechnet. Ihr könnt einen Verlustvortrag übrigens bis zu sieben Jahre rückwirkend abgeben!


Zusammengefasst: Eine Steuerrückerstattung könnt ihr meist in eurem ersten Berufsjahr erwarten.

Und so macht ihr einen Verlustvortrag:

Kevin ist Masterstudent und hatte neben seinem Studium keine Zeit für einen Nebenjob, da er seiner Oma im Haushalt geholfen hat. Nächstes Jahr möchte er anfangen zu arbeiten und will deshalb einen Verlustvortrag geltend machen. Seine Werbungskosten hat er über das Jahr in einer Tabelle zusammengefasst.

Werbungskosten Ausgaben
Studiengebühren 635€
Fachliteratur 130€
Büromaterialien 110€
Kontoführungsgebühren 16€
Autofahrten 240€

Insgesamt kann er also einen Verlustvortrag von 1131€ geltend machen. Wie er das in seiner Steuererklärung angibt und welche Steuerformulare er benötigt haben wir euch in dem Steuerbeispiel: Verlustvortrag als Student zusammengefasst inklusive ausgefüllter Steuerformulare.


Tipp: Versucht euren Verlustvortrag in einem Jahr anrechnen zu lassen, in dem ihr ein hohes Einkommen hattet. Das hat folgenden Grund:


Wenn ihr die Möglichkeit habt einen Verlustvortrag geltend zu machen, kann es in sehr ungünstigen Fällen sein, dass dieser im nächsten Jahr keinen steuerlichen Vorteil für euch bringt. Angenommen ihr konntet beim Finanzamt einen Verlustvortrag für das Jahr 2019 von 5000€ einreichen und hattet im Jahr 2020 Einnahmen von 9000€ sowie 1500€ Werbungskosten, dann berechnet das Finanzamt euer zu versteuerndes Einkommen wie folgt: Von den 9000€ wird euer Verlustvortrag (5000€) sowie die Werbungskosten des aktuellen Jahres (1500€) abgezogen. Euer zu versteuerndes Einkommen beträgt demnach 2500€. Sowohl 9000€ als auch 2500€ liegen jedoch unter dem Grundfreibetrag. Ihr würdest in beiden Fällen also die gezahlten Steuern wieder zurückbekommen. Der Verlustvortrag hätte in diesem konkreten Fall also keine Auswirkungen auf die Steuerlast, würde aber nicht mit ins Folgejahr übernommen werden.

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